Wie sieht das 'traditionelle' Familienbild in Japan aus, wie definiert sich das "Haus" (ie)? Welche Werte und Normen prägen die frühkindliche Erziehung? Wir beschäftigen uns mit der grundlegenden Organisation der japanischen Gesellschaft und Themen wie Reziprozität, dem privaten und öffentlichen Gesicht, oder wie sich Hierarchie auf die Beziehung mit den Mitmenschen auswirkt.
Wir beschäftigen uns mit der Grundstruktur der japanischen Binnen- und Außenwirtschaft und ihren dominanten Sektoren. Welche Abhängigkeiten ergeben sich aus dem japanischen Mangel an natürlichen Ressourcen? Welche Herausforderungen stehen der japanischen Wirtschaft gegenwärtig und zukünftig gegenüber? Und wie viel Wahrheit steckt eigentlich hinter den Klischees vom „Salaryman,“ der Firma als zweiter Familie, chronischer Überarbeitung und dem Zwang zum High Heel?
Vielen, die die japanische Gesellschaft und ihr Verhältnis zur "ewigen Regierungspartei" LDP kennen, gilt die Allgemeinheit als politikverdrossen. Japanforscher*innen wie Philip Seaton merken jedoch an, dass der politische Diskurs durchaus lebendig und vielfältig ist: Die internationale Berichterstattung und Politikforschung scheitere schlicht häufig an der Sprachbarriere und beschränke sich meist auf die wenigen englischen Quellen, die mehrheitlich von der Regierung stammen. In dieser Sitzung sehen wir uns das politische Interesse der breiten Bevölkerung anhand von Beispielen an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie groß es tatsächlich ist, und wie oft es in konkreter Teilhabe mündet.
"Wie hältst du es mit der Religion?" Viele Japaner*innen bezeichnen sich als unreligiös oder "ohne Religion" (mu-shūkyō), besuchen aber gleichzeitig regelmäßig Schreine und Tempel, oder beten am hauseigenen buddhistischen Altar. Dieser Widerspruch hängt unter anderem mit der Entstehung des japanischen Begriffs für „Religion“ (shūkyō) zusammen und dem Konzept, das die meisten Japaner*innen heute damit verbinden. Andererseits muss das Augenmerk darauf gelegt werden, was die gegenwärtige Gesellschaft in Schreinen, Tempeln oder spirituellen Orten und Objekten sieht. Zum Umgang mit Religion, Spiritualität und der religiösen Landschaft Japans im Allgemeinen.
Einer der angenehmen Nebeneffekte der in vielerlei Hinsicht schwierigen Lage Japans am Pazifischen Feuerring sind mit Sicherheit die onsen genannten heißen Quellen, die sich im ganzen Land finden. Im Laufe der Geschichte sind mancherorts ganze Onsen-Städte entstanden, die nicht selten bereits seit Jahrhunderten Erholungssuchende anlocken. Wer gerade nicht verreisen kann oder über kein eigenes Badezimmer verfügt – wie es für die Großelterngeneration noch öfter der Fall ist – begibt sich in eines der öffentlichen Badehäuser, oder sentō, die sich selbst in Großstädten wie Tokyo bis heute finden. Sentō sind günstig und besitzen ihre ganz eigene Badekultur. Aber wo genau liegt denn nun der Unterschied zwischen Onsen und Sentō, und was ist bei einem Besuch jeweils zu beachten? Fettnäpfchen gibt es bekanntlich einige, doch im Rahmen dieses Vortrages soll die Gefahr, in eines davon zu tappen, erheblich gemindert werden. Damit Sie am Ende auch wirklich mit allen japanischen Wassern gewaschen sind.
